Für heute:
Gott reißt dich aus den Klauen der Angst. Er gibt dir wieder weiten Raum.
Hiob 36, 13
Ja , das ist wahr! Heute war der letzte Tag des zweiten Chemo-Kurses. Die ersten Tage liefen nicht so gut ab. Bernd hat zwar die Infusionen gut vertragen, aber die Begleitumstände waren alles andere als erfreulich: Am Montag fanden wir ein total überfülltes Wartezimmer vor. Bis die Tortur begann, waren 1 1/2 Stunden vergangen. Die Infusionen, die über drei Stunden laufen sollten, dauerten erheblich länger. So kamen wir nach sieben – in Zahlen 7 ! Stunden Abwesenheit wieder zu Hause an, in Erwartung einer Überraschung (Hundehaufen und Bach) in der Küche. De Überraschung gab es tatsächlich: Rollo hatte durchgehalten. Das war Gottes Trostpflaster für uns.
Gestern gab es nur ein Gift, das sollte ungefähr eine Stunde fließen. Aber die Schwester war zickig. Wir machten sie darauf aufmerksam, daß der Tropf zwar lief, aber so langsam, daß wir dem Ende kaum näher kamen. “Nein nein, davon haben Sie keine Ahnung.” Nach eineinhalb Stunden sagten wir ihr, daß er nur ein Viertel durchgelaufen war. “Da steht ja auch, daß er über eine Stunde laufen soll!” Nach zweieinhalb Stunden sagte sie, wir hätten ihr auch vorher sagen können, daß der Tropf zu langsam lief.
Zudem hat sie dauernd dafür gesorgt, daß neue “Opfer” den Stuhl haben mußten, den ich gerade “besaß”. Sie holte die Patienten extra aus anderen Räumen herüber. So mußte ich die ganze Zeit über auf einem Hocker (ohne Lehne) mit äußerst beweglichen Rollen sitzen. Ich war wirklich gerädert.Beim heutigen Frühstück hatte ich regelrecht Angst vor dem neuen Termin und neuen Repressalien.
Heute morgen nun kam die o.a. SMS von Gott. Ich habe sie immer wieder gelesen und Bernd auch. Und siehe da: “Unser” normaler Platz war besetzt, wir gingen in einen anderen Raum. Dort fand Bernd einen Liegesessel, neben den ich einen Sessel schieben konnte, der Tropf wurde schneller gestellt mit der Auflage, daß Bernd sich sofort melden müsse, wenn er Schmerzen habe. Er hatte keine. Der Tropf lief so schnell, wie er sollte. Die Schwester von gestern sahen wir nur von weitem. Sie kam uns nur zum “Befreien” nahe, und da war sie freundlich.
Bernd geht es gut. Er hat nun zweidrittel der Chemo überstanden und 3 1/2 Wochen bis zum nächsten Kurs. Er sieht natürlich sehr verändert aus: das Haupthaar habe ich ihm geschoren, der Bart hat nur noch weiße Haare, ebenso die Augebrauen. Die grauen Haare haben das Weite gesucht, bzw. sie finden sich überall, wo sie nicht hingehören.